75jähriges Jubiläum des Spielmannszuges


Drei Tage lang feierte der Reilinger Spielmannszug am Wochenende vom 23. bis 25. Juni seinen 75. Geburtstag in der Fritz-Mannherz-Halle. Obwohl der Spielmannszug mit derzeit rund 40 Aktiven ein relativ kleiner Ortsverein ist, konnte man durch die Unterstützung zahlreicher Helfer aus der Wehr und aus dem Umfeld des Vereines eine Veranstaltung präsentieren die sich als ein Highlight in der Reilinger Kulturgeschichte der vergangenen Jahre bezeichnen lassen darf. Viele Höhepunkte konnten während der Geburtstagsfeier dem stets begeisterten Publikum geboten werden.

Festbankett

Nach einer, wie es sich für eine Generalprobe gehört, etwas mißglückten Aufstellprobe in der Halle, galt es am Freitag zunächst, das Fest durch die Abholung der reizenden Ehrendamen Astrid Günther, Marina Wolf und Annika Sauter zu eröffnen. Mit einer Kutsche und vom Spielmannszug und der Wehr begleitet wurden die drei jungen Damen vom Feuerwehrhaus zur Halle geleitet, wo bereits über 500 Gäste ungeduldig auf den Beginn der Veranstaltung warteten. Unter der Stabführung des Festtambours Claus Wendlik erfolgte um 19.45 Uhr der Einmarsch mitten durch die rhythmisch klatschenden Anwesenden.

In seiner gewohnt lockeren Art begrüßte der Geschäftsführer Heinz Großhans über 30 Ehrengäste, bevor er auf die geschichtliche Entwicklung des Spielmannszuges in kurzen Zügen Einging. Für die Festrede zeichnete anschließend Bürgermeister und Schirmherr Walter Klein verantwortlich. Auch beim obersten Dienstherrn der Wehr und damit auch des Spielmannszuges war der Stolz unverkennbar, dass der Jubelverein mit einer Stärke von über 40 Mitgliedern derzeit zu den größten des gesamten Rhein-Neckar-Raumes gehört. Gelobt wurde auch die Bereitschaft der Spielleute, neben der Musik auch noch aktiven Dienst in der Wehr zu leisten. Für den Geschäftsführer hatte der Bürgermeister einen inhaltsschweren Umschlag mitgebracht. Anschließend berichteten die drei Festdamen in Reimform über den Beginn und die geschichtliche Entwicklung des Vereins.

Ehrungen

Eingerahmt von Musikstücken des Hohner-Akkordeon-Orchesters wurden zahlreiche Feuerwehr- und Spielleute für jahrzehntelange Aktivität geehrt.Kreisfeuerwehrkommandant Kurt Reinhard, Verbandsvorsitzender Günther Dörzbach, Bezirksstabführer Armin Schmitt, Bürgermeister Walter Klein, Kommandant Hans Erbrecht, sowie der Geschäftsführer Heinz Großhans hatten für insgesamt 23 Aktive über 80 Ehrungsgaben parat. In zügiger Abfolge wurden die jeweiligen Leistungen gewürdigt. Birgit Sturm wurde für 10jährige Aktivität geehrt. Walter Ehrstein hatte sich seine Gaben für 20 Jahre, Thomas Wörner, Michael Kief, Uwe Schuppel, sowie Franz Eigl, Walter Weißbrodt und Toni Kellner für 25 Jahre Mitgliedschaft verdient. Bereits 30 Jahre aktiv sind Ludwig Anweiler, Herwart Dorn, Walter Schell, Helmut Stoll und Claus Wendlik.

Wilhelm Oechsler, Willi Astor, Philipp Bickle, Werner Bühler und Heinrich Würtz sind bereits seit 40 Jahren in der Wehr und erhielten neben den Ehrengaben die Ernennung zum Ehrenmitglied. Auf ein halbes Jahrhundert Mitgliedschaft konnten bereits Walter Kief, Fritz Schuppel, Günter Schuppel und Adolf Kuppinger zurückblicken. Übertroffen wurde diese Leistung nur noch von Karl Sturm, welcher den Spielmannszug nach dem Zweiten Weltkrieg im Jahre 1949 wieder ins Leben rief und seit insgesamt 65 Jahren aktiv ist. Bei sämtlichen Rednern kam zum Ausdruck, dass der Dank allen Geehrten unabhängig von der jeweiligen Zugehörigkeit gilt. Jeder einzelne trägt auf seine Art und Weise zum Gelingen des Vereinslebens und damit zum Fortbestand eines Vereines bei.

Bunter Teil des Festbanketts

Nach der Überleitung durch das Hohner-Akkordeon-Orchester mit seinem Dirigenten Ernst Hoffmann wurden die mittlerweile rund 600 Zuhörer vom evangelischen und katholischen Kirchenchor mit zwei Beiträgen gemeinsam unterhalten, wobei der Dirigentenstab zunächst von Vera Pfannenstiel und danach von Hans-Jürgen Reinhard geschwungen wurde.

Auch der Männerchor des MGV Reilingen bewies mit seinen Vorträgen, dass er mit dem Dirigenten Thomas Schlerka gesangliche Vorträge auf hohem Niveau darbieten kann. Solistisch taten sich Eric Gold und Fritz Kief hervor. Chorleiter Gerhard Nußbaum sorgte mit den stimmgewaltigen Herren des Sängerbundes Reilingen für ein weiteres Glanzlicht beim Festbankett.

Der Frauenchor des MGV Reilingen wollte den gezeigten Leistungen ihrer Vorgänger in nichts nachstehen, und bewies mit der Solistin Eva Zirker, dass man es nach nur ein einhalb Jahren unter der Leitung von Chordirektor Thomas Schlerka bereits zu einer ansehnlichen Qualität gebracht hat.

Grußworte

Kommandant Hans Erbrecht stellte zunächst fest, dass der Reilinger Spielmannszug trotz seines 75.Geburtstages noch jung geblieben ist, was man an den vielen jugendlichen Mitgliedern ablesen kann. Der Bundestagsabgeordnete Lothar Binding hob hervor, dass im Spielmannszug Musik und Kameradschaft mit Technik und Hilfe für den Nächsten zusammentreffen würde. Dirk Niebel stellt u.a. fest, dass die Aktivitäten des Spielmannszuges eine sinnvolle Freizeitgestaltung gerade für die Jugend darstellen würde. Siegried Heim hob als Vertreter der Reilinger Vereinswelt hervor, dass der Spielmannszug eine feste Größe und Stütze im Reilinger Vereinsleben darstellt. Als Dank übergab er einen Umschlag mit Inhalt. Abschließend erwähnte die Landtagsabgeordnete Rosa Grünstein u.a., dass es ohne Vereine langweilig sei.

Zapfenstreich

Ohne die Leistungen der beim Festbankett mitwirkenden Vereine schmälern zu wollen, ist die Aufführung des Zapfenstreiches am Schluss als absoluter Höhepunkt des ersten Veranstaltungstages hervorzuheben. Bereits einige Minuten vor dem Einmarsch hätte man im Saale eine Stecknadel fallen hören, was die Spannung bei den Spielleuten im Foyer noch erhöhte.

Nachdem alle Fackeln entzündet waren erfolgte beinahe pünktlich kurz nach 23.00 Uhr der Einmarsch des Spielmannszuges, der Ehrendamen, der Fahnen- und Fackelträger unter der musikalischen Leitung von Claus Wendlik zur Aufstellung auf und vor der Bühne. Nach den Kommandos von Edwin Jungkind „befahl„ der Bürgermeister Walter Klein den Beginn des Zapfenstreiches. Eingeleitet von den Solisten Astrid Günther, Oliver Schwab und Uwe Schuppel wurde die feierliche Musikfolge vom Spielmannszug eröffnet, bevor der Musikverein Harmonie mit den Fanfaren von der Rennstadt Hockenheim die musikalische Gestaltung übernahm. Eingerahmt vom Zeichen und Abschlag zum Gebet widerum durch den Spielmannszug wurde vom Musikverein „Ich bete an die Macht der Liebe“ vorgetragen bevor als stimmungsvoller Höhepunkt des Abends die Nationalhymne intoniert wurde. Tosender Beifall war hörbarer Beweis für die gelungene Darbietung.

Als Moderator präsentierte Uwe Schuppel gewohnt souverän die einzelnen Programmpunkte des ersten Veranstaltungstages, bei dessen Ausklang der Musikverein Harmonie die Besucher noch bis nach Mitternacht musikalisch unterhielt.Der Bunte Abend, ein unvergessliches Ereignis in der jüngeren kulturellen Ortsgeschichte Zeigte man sich in den Reihen des Spielmannszuges am ersten Tag aufgrund einer vollbesetzten Halle noch erstaunt, wurde man beim samstäglichen bunten Abend noch mehr überrascht, musste man die Sitzgelegenheiten doch auf über 600 kurzfristig aufstocken.

Dennoch konnte Uwe Schuppel pünktlich um 20.00 Uhr einen unvergesslichen Abend eröffnen, wobei die Zuhörer zunächst vom Fanfarenzug der Rennstadt Hockenheim eingestimmt wurden, bevor der SC 08 Reilingen einige Geschehnisse in den Reihen des Spielmannszuges musikalisch glossierten. Für einen Farbtupfer sorgte anschließend die Juniorentanzgarde des KVR. Bevor Franz Niedermayer, Ingo Freidel und Wolfgang Müller mit ihrem Sketsch über geklaute „Queggschdä“ einige Lacher provozierten, glänzten Kerstin Pape und Uwe Schuppel von Thomas Müller am Flügel begleitet mit dem weltberühmten Lied „time to say goodbye“. Mit mundartlichen Liedern brachte der Ortsbarde Karl Weibel die Halle zum Toben und wurde nicht ohne Zugabe entlassen.
Der Schlager „Das bißchen Haushalt“ wurde von einer Gruppierung des MGV-Frauenchores witzig in Szene gesetzt.
Auch die friends of konnten unter der Leitung von Gerhard Nußbaum erneut Zeugnis ihres Leistungsvermögens abgeben und provozierten das Publikum zum rhythmischen Mitklatschen. Einige witzige Texte über den Spielmannszug hatten die Stützkrümmer Patrick Martin und Markus Piperno, am Schlagzeug von Oliver Schwab unterstützt, parat, bevor sich die Badkappen aus Kirrlach und Hockenheim durch insgesamt 16 Musikrichtungen kämpften und ebenso oft auf der Bühne ihr outfit änderten.

In gewohnter Manier präsentierten sich der Kleine Chor, sowie das Quartett vom MGV Reilingen mit ihren songs „can´t help falling in love“ bzw. „Ich brech die Herzen der stolzesten Frauen“, jeweils von Thomas Müller einstudiert. Einen weiteren Glanzpunkt setzte Andreas Niedermayer mit seinem Zarah Leander-song „Der Wind hat mir ein Lied erzählt“. Bei den drei zuletzt genannten Beiträgen zeichnete jeweils Dr. Klaus Geng für die Begleitung am Flügel verantwortlich. Eine Modenschau der besonderen Art präsentierte Uschi Großhans mit Mitgliedern der Jugendwehr und der Jugend des Spielmannszuges. Mehr oder weniger graziös stolzierten (oder stolperten) die Models mit ihren Traumfiguren über die Bühne und präsentierten die „aktuelle“ Damen- und Herrenmode zu allen Gelegenheiten, wobei auch wenig bekleidete Körperteile in den Vordergrund traten. Walter Kaltstart, Alois Decker, Gerhard Hassle und Bruno Hoffmann, sowie Brigitte Eisenmann am Mikrofon ließen zum Schlager „Wenn die Glocken hell erklingen“ mit Hilfe von Gurttechnik auch auf der Bühne die Glocken erklingen.

Abschließend boten die MGV-Damen noch einmal einen musikalischen Höhepunkt. Mit den Solistinnen Daniela Virzi, Eva Zirker und Kerstin Pape wurde mit Dr. Klaus Geng am Flügel „I will follow him“ aus „sister act“ auf die Bühne gemalt. Nach einem über dreieinhalbstündigen Programm ging nach 23.30 Uhr ein stimmungsvoller Abend zu Ende, welchen die Anwesenden noch lange in positiver Erinnerung behalten werden. Einen großen Beitrag zum Gelingen des Abends leisteten auch sämtliche Helfer hinter der Bühne, insbesondere der für die Technik verantwortliche Mike Supper. Die von Uwe Schuppel zusammengestellte Programmfolge wurde von diesem selbst, sowie von Markus Piperno und Wolfgang Müller präsentiert. Mit Witz, Humor, sowie einigen Überraschungen konnten diese drei erstmals zusammenarbeitenden Konferenciers die notwendigen Umbaupausen kurzweilig gestalten und wuchsen mitgezogen von der Atmosphäre im Saale über sich hinaus. Insgesamt übertraf die Stimmung in der Halle sämtliche Erwartungen der Verantwortlichen, wofür den über 160 Mitwirkenden nochmals an dieser Stelle ein herzlicher Dank gebührt.

Ökumenischer Gottesdienst

Ein weiterer Höhepunkt folgte zu Beginn des dritten Veranstaltungstages, als unter Beteiligung des katholischen und evangelischen Kirchenchores, sowie des Posaunenchores ein ökumenischer Gottesdienst in der Halle gefeiert wurde.

Sowohl Pfarrer Kälble als auch Pfarrer Nauber von den beiden Kirchengemeinden haben ihre Predigten auf die Feuerwehr bzw. den Spielmannszug abgestimmt, und so den Bezug zum Jubelverein hergestellt. Die von Andrea Kief und Birgit Schuppel vorgetragenen Fürbitten, das Einsammeln der Kollekte durch Spielleute, sowie die Dankesworte von Uwe Schuppel ließen ebenso erkennen, dass auch der Gottesdienst eine Veranstaltung des Spielmannszuges darstellte. Einziger Wermutstropfen war vielleicht, dass sich unter den Gästen zu wenige Uniformierte befanden.

Mittagskonzert

Im Anschluss an den Gottesdienst sorgten die Reilinger Musikfreunde zwei Stunden lang für Unterhaltung und verkürzten damit die Zeit bis zur Aufstellung des Umzuges.

Festumzug

Bei jeder größeren Veranstaltung kommen logischerweise auch Dinge vor, welche so nicht geplant waren. Für das schlechte Umzugswetter kann man dem Spielmannszug jedoch keine Vorwürfe machen.

Vielleicht hat der Himmel wegen der zwei vorangegangenen gelungenen Veranstaltungstagen geweint. Trotzdem marschierten rund 350 Feuerwehr- und Spielleute trotz immer stärker einsetzenden Regens den Umzugsweg tapfer bis zur Fritz-Mannherz-Halle zurück, wo die Spielmannszüge aus Brühl, Graben, Neulußheim, Altlußheim und Reilingen zum wiederholten Male unter dem Beifall der erneut rund 500 Zuhörer die Halle mit Musik erfüllten.

Festdamen

Die drei Festdamen Marina Wolf, Annika Sauter und Astrid Günther haben während der drei Veranstaltungstage auch einen beträchtlichen Beitrag geleistet. Nach einem täglichen rund dreistündigen Frisöraufenthalt bei Heikes Haartreff. überreichten sie jeweils den Ehrenteller des Spielmannszuges und trugen zum Beginn des Festbanketts und zu Beginn des sonntäglichen Freundschaftsspielens ihren Prolog vor. Durch ihre Tätigkeit wurden sie an den Jubeltagen zu den meistbegehrten und auch meistgeküssten Damen, was bei ihnen selbst aber nur teilweise als angenehm empfunden wurde, so die Festdamen selbst.

Helfer

Ein Fest kann noch so gut oder schlecht sein, der Ablauf kann nur reibungslos erfolgen, wenn genügend Helfer zur Verfügung stehen. Der Spielmannszug bedankt sich an dieser Stelle recht herzlich bei sämtlich Aktiven der Wehr, des Spielmannszuges und der Jugendwehr, bei allen Familienangehörigen, sowie bei sämtlichen „Fremdhelfern“. Der Dank gilt auch dem Roten Kreuz, der örtlichen Polizei, sowie allen, welche bei der Vorbereitung und Durchführung zu diesem Fest mitgeholfen haben.