Reilingen kämpft gemeinsam gegen die Wassermaßen


Unwetter von bisher unbekannter Dimension überrascht Spargelgemeinde / Hunderte Keller laufen voll / Feuerwehren aus Reilingen, Hockenheim, Alt- und Neulußheim im Einsatz / THW-Spezialisten ebenfalls vor Ort

Reilingen.- Unwetter-Chaos am Freitagabend in Reilingen: Sintflutartiger Regen setzte binnen kürzester Zeit nahezu die gesamte Spargelgemeinde unter Wasser und sorgte dafür, dass Hunderte von Keller voll Wasser standen. Obwohl die Feuerwehren aus Reilingen, Hockenheim, Altlußheim und Neulußheim, sowie eine Spezialeinheit des Technischen Hilfswerkes nahezu ohne Unterbrechung bis in den Samstagvormittag hinein im Einsatz waren, konnten nicht allen Betroffenen gleichzeitig geholfen werden. Die Feuerwehrleute gaben ihr Bestes und kämpfen bis zum Umfallen mit den Wassermassen – blieben aber bei der gewaltigen Regenmenge zumindest zu Beginn des Unwetters nahezu chancenlos.

Als kurz nach 18 Uhr am Freitagabend die ersten Regentropfen vom Himmel fielen, atmeten ob der hochsommerlichen Temperaturen und der schier unerträglichen Schwüle zunächst nicht wenige Reilinger auf. Auch den Landwirten fiel beim Anblick der recht trockenen Felder und Äcker spürbar ein Stein vom Herzen. Dass sich wenig später ein Gewitter mit Blitz und Donner ankündigte, war für die meisten Bewohner auch nichts Ungewöhnliches oder hatte gar Erschreckendes an sich. Nur wer sich im Internet bei der Unwetterzentrale informiert hatte, oder via Regenradar den Verlauf der Schlechtwetterfront verfolgte, ahnte schon, dass da auf Reilingen was Böses zukommen könnte.

Der Regen wurde dann auch tatsächlich stärker, ebenso das Gewitter. Aber noch immer hoffte man im Ort, dass man auch dieses Mal – wie schon so oft in den letzten Jahren – vom Schlimmsten verschont würde. Nach ein paar gewaltigen Blitzschlägen, verbunden mit wuchtigem Donner, schien sich die Wetterlage zu beruhigen. Der Blick zum Himmel machte aber schnell deutlich, dass da was Außergewöhnliches auf Reilingen zubewegte. Es wurde immer dunkler, eine seltsame gelbgrünliche Verfärbung am Himmel verunsicherte die Menschen. Als kurz nach 18.30 Uhr einsetzende Windböen den jetzt immer stärker werdenden Regen gegen die Häuser peitschen, wurde Reilingen von einem Unwetter überrascht, wie es die Spargelgemeinde in diesem Ausmaß bisher noch nicht erlebt haben dürfte. Der Himmel öffnete seine Schleusen und wahre Sturzbäche ergossen sich über dem Ort. Binnen kürzester Zeit konnte die Kanalisation die Wassermaßen nicht mehr aufnehmen, die ersten Kanaldecken wurden hochgehoben. Obwohl von Mitarbeitern des Gemeindebauhofes der Überlauf des Rückhaltebeckens beim alten Klärwerk hin zum Kraichbach ebenso geöffnet wurde wie die Notauslässe in den Nachtwaidgraben, drückten die Wassermaßen im Rückstau auf die Hausanschlüsse und ließen die Keller voll laufen.

Nahezu in Sekundenabstand gingen ab 18.45 Uhr die Notrufe bei Feuerwehr und Polizei ein, die Kommunikationskanäle waren schnell überlastet. In allen Einsatzstellen, wo die Telefonate aufliefen, wurde fieberhaft gearbeitet, um dem Unwetterchaos Herr zu werden. Da nicht nur Reilingen, sondern auch die Nachbargemeinden St. Leon-Rot und Walldorf „Land unter“ meldeten, mussten die Einsätze der Feuerwehren und des Technischen Hilfswerkes koordiniert werden. Dies geschah auch in Reilingen, wo Feuerwehrchef Florian Petzold sofort die Einsatzleitung übernahm und zusammen mit Bürgermeister Walter Klein und Ordnungsamtsleiter Wolfgang Müller einen Krisenstab bildete. Der stellvertretende Kommandant Mike Supper war zu dieser Zeit bereits in den Straßen der Spargelgemeinde unterwegs, um die gemeldeten Hochwasserschäden zu begutachten und zur Abarbeit durch die verschiedenen Einsatzgruppen zu kategorisieren. Da auch das Pflege- und Altenheim vom Unwetter betroffen war, wurde der Einsatz zunächst auf dieses Objekt konzentriert, ebenso auf die betroffenen Kellerwohnungen. Die Feuerwehrleute und THW-Kräfte waren dann bis in den frühen Samstagmorgen damit beschäftigt, alle gemeldeten Wasserschäden abzuarbeiten.

Im Dorf unterwegs war auch Bürgermeister Walter Klein, um sich vor Ort bei besonders schwer betroffenen Familien selbst ein Bild über den Schadensstand zu machen: “ „So etwas habe ich persönlich in Reilingen noch nicht erlebt. Mir schwammen in einer Kellerwohnung sogar die Möbel entgegen.“

Dankbar ist das Gemeindeoberhaupt – und mit ihm viele Reilinger Bürger – über den beispielhaften Einsatz der Feuerwehren aus der Verwaltungsgemeinschaft Hockenheim und des THWs aus Heidelberg. „Ihrem unermüdlichen Wirken ist es zu verdanken, dass die Schäden in unserer Gemeinde nicht nur höher ausfielen, sondern in vielen Fällen sogar minimiert werden konnten.“ Und ganz besonders stolz ist Bürgermeister Walter Klein auf „seine“ Reilinger, die mit einer „großartigen Nachbarschaftshilfe“ einmal mehr bewiesen hätten, was auch in einem Krisenfall unter Dorfgemeinschaft zu verstehen ist: „Gemeinsam haben wir trotz der vielen Schäden Reilingen dieses Mal vor noch Schlimmeren bewahrt!“

Autor: Otmar Geiger, www.lokalreporter.de