Spielmannszug


Übungsstunde immer Freitags

Jugendspielmannszug um 19.00 Uhr
Gesamtspielmannszug um 20.00 Uhr

 

Geschäftsführer des Spielmannszuges
Jürgen Oechsler
Bürgermeister Römpertstr. 17
68799 Reilingen
juergen.oechsler@feuerwehr-reilingen.de

 

Geschichte des Spielmannszug Reilingen 1925

Von 1925 bis 1949

12 Reilinger Männer sahen sich im Jahre 1925, veranlasst, die Reilinger Feuerwehr nicht nur entsprechend deren ursprünglichen Aufgaben -retten, bergen, löschen, schützen – zu unterstützen, sondern den Feuerwehraktiven auch den Marsch zu blasen. Der erste Tambourmajor war Ludwig Büchner.

Ein entsprechender Verwaltungsratsbeschluss der Feuerwehr erfolgte nachträglich am 8.September 1925.

Wer ursprünglich den Gedanken zur Gründung des Spielmannszuges hatte kann heute leider nicht mehr ermittelt werden.

Auf jeden Fall stellte sich diese Idee bis heute als gut heraus, denn der Reilinger Spielmannszug ist aus dem kulturellen Leben unserer Gemeinde nicht mehr wegzudenken.

Das Protokollbuch der Reilinger Wehr wird seit deren Gründung im Jahre 1897 lückenlos geführt. Aus diesen Aufzeichnungen ist zu entnehmen, dass Musiker bereits vor der Gründung des Spielmannszuges den Reihen der Feuerwehr angehörten. Bereits im Gründerjahr der Wehr ist mit Eugen Claus ein Tambour (Trommler) ausgeschieden. Dessen Posten wurde mit Philipp Schell III neu besetzt. Der Einsatzbereich dieser Tamboure lässt sich leider nicht mehr feststellen.

Im Jahre 1910 wurde die „Kapelle Johann Brenner II und Consorten“ in die Wehr aufgenommen. Von angeschafften Trommeln und Pfeifen ist erstmals im Jahre 1911 die Rede.

Diese anfänglichen Bemühungen hinsichtlich der Selbständigkeit in Sachen Musik haben offensichtlich nicht zum gewünschten Erfolg geführt, denn bereits im Jahre 1921 wurde die Musikkapelle „Conkordia Reilingen“ verpflichtet, für die Freiw. Feuerwehr 4 bis 5 Mal im Jahr bei Übungen, Ausflügen und sonstigen Festlichkeiten, zu spielen. Die Jahresvergütung hierfür wurde auf 700.- Mark festgesetzt.

Wohl auch aus finanziellen Gesichtspunkten heraus fanden sich zu Beginn des Jahres 1925 endlich die richtigen Leute zusammen, um eine eigene Musikgruppe zu Gründen, die, wie man heute sieht, auf Dauer Bestand hatte.

Die heutige Anzahl öffentlicher Auftritte wurde in den Gründungsjahren bei weitem nicht erreicht, doch konnte man sehr schnell hier und da auch außerhalb unserer Gemarkungsgrenzen musikalisch zum Gelingen verschiedener Festlichkeiten beitragen.

So spielte man bereits nach wenigen Übungsstunden im Jahre 1925 beim Feuerwehrfest in Neulußheim.

Aber auch innerhalb des Ortes spielte man zu verschiedenen Anlässen wie Sänger-, Turn-, Ringer-, Reiterfesten und diversen Einweihungen auf.

Mit der Gründung einer Vereinskasse gleich zu Beginn schaffte man sich sehr schnell eine finanzielle Grundlage, um den Mitgliedern bei verschiedenen Gelegenheiten auch mal ein Bier und ein Essen zu spendieren. Bei einem Musikfest wurden laut Kassenbuch im Jahre 1931 für 38 Glas Bier 5,70 Mark bezahlt. 1931 reichten 22,40 M in Gengenbach für 16 Mittagessen. Woraus dieses bestand, ist nicht bekannt.

Bei der Gründung erhielt der Verein aus der Feuerwehrkasse (vom Kommando) einen Betrag in Höhe von 35 Mark. Öffentliche Zuschüsse waren zur Gründerzeit nicht üblich. Man war auf die Mitgliedsbeiträge im Pfennigbereich, sowie auf Spenden von Freunden und Gönnern angewiesen.
Einnahmequellen, wie man sie heute bei Ausrichtung eines Waldfestes hat, gab es seinerzeit ebenfalls nicht.

Trotzdem oder vielleicht funktionierte gerade deshalb die Kameradschaft unter den Spielmännern hervorragend. Dies ist auch abzulesen an den jährlich seit dem Jahre 1931 stattfindenden Ausflügen z.B. nach Gengenbach, in die Pfalz, in den Schwarzwald, in den Hessischen Odenwald, nach Rüdesheim, Frankfurt oder in das Elsaß, die von den Aktiven zum Großteil selbst finanziert wurden. Zuschüsse wie wir sie heute bei unseren Ortsvereinen kennen waren damals nicht möglich.

Im Jahre 1934 trat mit Karl Sturm ein 15jähriger Knabe in die Reihen des Spielmannszuges ein, der in späteren Jahren noch viel für das Fortbestehen des Spielmannszuges geleistet hat.

Als Tambourmajore fungierten bis zum Zweiten Weltkrieg Ludwig Büchner, Georg Dorn, und Peter Schell. Namen, die noch heute teilweise bestens bekannt sind.
Wie bei den meisten anderen Vereinen auch, erlosch die Aktivität des Spielmannszuges von 1939 bis 1949 gänzlich.

 

Von 1949 bis heute

Der junge Knabe Karl Sturm, der im Jahre 1934 dem Spielmannszug beitrat ist mittlerweile zu einem gestandenen Mannsbild herangewachsen. Aufgrund eines Verwaltungsratsbeschlusses der Reilinger Wehr vom 2.Juli 1949 sollte der Spielmannszug wieder aufleben. Der damalige Kommandant Schnepf betraute Karl Sturm damit, eine Neugründung des Spielmannszuges zu wagen, was sich letztlich als Glücksfall erwies.
Umgehend scharte er 19 junge Männer um sich, grub die alten, verstaubten Instrumente heraus, und begann im damaligen Spritzenhaus Ecke Kirchenstraße/Alte Friedhofstraße die Instrumentalausbildung. In den ersten Jahren befanden sich sogar Hornisten unter den Spielleuten. In späteren Jahren wurden die Übungsstunden im Rieglerhaus, im alten Schulhaus Hockenheimer Straße 3, und seit 1979 im damals neu erbauten Feuerwehrgerätehaus abgehalten. Recht schnell wuchs die Aktivenzahl auf deutlich über 20 heran. Bei der Neugründung waren mit Fritz und Günter Schuppel auch zwei Kameraden dabei, die wie Karl Sturm selbst bis heute beim Spielmannszug aktiv geblieben sind. Mit von der Partie war auch Erich Hurst, der bis Ende der 70ger Jahre aktiv blieb und bis zu seinem Tod zu Beginn der 90ger Jahre dem Verein noch treu verbunden blieb und seine Arbeitskraft bei verschiedenen Anlässen noch zur Verfügung stellte.Bis Mitte der 50ger Jahre traten mit Walter Kief und Fritz Kief Mitglieder ein, die heute ebenfalls noch aktiv sind.
Die erste Großveranstaltung führte der Spielmannszug im Jahre 1954 durch, als in unserer Gemeinde ein großes überregionales Spielmannszugtreffen stattfand.
Mit einem Sternmarsch durch die Reilinger Ortsstraßen gaben dies die Spielmannszüge aus Altlußheim, St.Leon, Neulußheim, Ketsch, Schwetzingen, Brühl, Oftersheim, Weinheim, Ladenburg, Hockenheim und Walldorf auch der Reilinger Bevölkerung kund. Die meisten dieser Vereine existieren leider nicht mehr.
Bei der zweitägigen Veranstaltung wurden laut Kassenbuch aus einem Umsatz von 3.286,15 DM ein Gewinn von 329,45 DM erzielt, für damalige Verhältnisse ein zufriedenstellender Betrag.

Noch lange vor den Teilnahmen an den regionalen Faschingsumzügen zeigten die Spielmannszügler nebst Familien und Freunden zur Faschingszeit auch ihr närrisches Gesicht. Im Jahre 1957, am 16.Februar, wurde der erste Kappenabend im Gasthaus zum „Engel“ durchgeführt. Im Laufe der Jahre ließ man sich dabei aber auch im Adler, Feldschlößl, Hirsch und Pfälzer Hof bewirten.

In den 60iger Jahren blieb die Mitgliederzahl nahezu stabil bei 20 stehen. Einen größeren finanziellen Spielraum erwarb sich der Spielmannszug im Laufe der Zeit durch das seit 1968 jährlich stattfindende Waldfest, aber auch die seit 1962 üblichen gemeindlichen Zuschüsse trugen zu einer gesunden finanziellen Basis bei.

Weitere regelmäßige Einnahmen brachten ab 1968 die Teilnahmen an Faschingsumzügen. Die ersten Jahre spielte man in Hockenheim, Ketsch und Schwetzingen. Seit 1971 besuchte man auch den Brühler Umzug und seit 1986 marschieren die Aktiven in Rheinhausen anstatt in Ketsch. Bei den bisherigen rund 120 Faschingsumzügen kostümierten sich die Spielleute bereits als Hexen, Husaren und Kosaken und seit 1986 mit historischen, mittelalterlichen Kostümen. Sogar die Feuerwehr-Regenjacken mussten bei stürmischem Wetter einmal als Verkleidung herhalten.

Die erste offizielle Generalversammlung fand 1969 im Schützenhaus statt. Gerade mit den Schützen verbindet den Spielmannszug eine enge Freundschaft. Die Abholung des Schützenkönigs seit 1972, sowie spätere gemeinsame Kappenabende geben hiervon Zeugnis.

Ebenfalls im Jahr 1969 waren die Spielmänner erstmals beim Vatertag unterwegs. Der Ausflug führte nach Mingolsheim.
Diese Tradition setzte sich bis heute fort. Jedes Jahr am Vatertag wurde zuerst mit Pferdegespann, später mit Traktor, und schließlich mit den Fahrrädern, eine Tour unternommen. Lange Jahre wurden besonders die Ausflüge mit den beiden zuerst genannten Fortbewegungsmitteln von Heinz Schell organisiert, welcher auch alljährlich die Riemen bzw. das Lenkrad in Händen hielt. Seit einigen Jahren werden die langjährigen, werdenden und zukünftigen Väter von ihren Familien begleitet.

Einen Schub erfuhr der Verein Ende der 60iger, Anfang der 70iger Jahre, als die sogenannte zweite Generation der Spielmannszügler dem Verein nach und nach beitrat. Die Söhne der älteren Mitglieder waren zwischenzeitlich im spielfähigen Alter. Helmut Stoll, Fritz Kief, Werner Salzgeber, Kurt Kuppinger, Fritz Schuppel, Heinz Schell und Karl Sturm brachten somit insgesamt 9 neue Mitglieder, so dass der Spielmannszug bis zum Jubiläumsjahr auf eine damals stattliche Anzahl von rund 25 Aktiven verweisen konnte.

1975 war auch das Jahr, als bei der Feuerwehr mit der Jugendwehr hauptsächlich von Mitgliedern des Spielmannszuges eine weitere Abteilung gegründet wurde. Hiervon profitieren beide Feuerwehrabteilungen, so dass zahlreiche Jugendliche den Weg zum Spielmannszug fanden. Der Klangkörper wuchs daher sukzessive bis Anfang der 80iger Jahre auf beachtliche 40 Pfeifer, Trommler, Pauken- und Beckenschläger, sowie Lyraspieler, an. Diese Anzahl konnte mit geringen Schwankungen bis heute erhalten werden.

Das größte Ereignis in der Geschichte des Spielmannszuges war sicherlich das 50jährige Jubiläum im Jahre 1975.
Für die Vorbereitung dieses Ereignisses wurde im Jahre 1974 erstmals eine Vorstandschaft gegründet, die sich aus dem Vorsitzenden Karl Sturm, dem Festkassier Günter Schuppel, dem Schriftführer Willi Salzgeber, sowie den Beisitzern Fritz Schuppel, Kurt Ries, Fritz Kief und Werner Hoffmann zusammensetzte.
Die zweitägige Veranstaltung wurde in der Reithalle am Sandweg durchgeführt.

Insgesamt 24 Fanfaren-, Musik- und Spielmannszüge nahmen an einem Sternmarsch durch die Reilinger Straßen teil. Dies ist bis dato immer noch die größte musikalische Veranstaltung unserer Gemeinde.

Im Jahre 1978 vollzog sich in der Führung des Spielmannszuges ein Generationswechsel, als der damals 59jährige Karl Sturm die Geschäftsführung nach beinahe 30jähriger Amtszeit an den 22 Jahre jungen Herwart Dorn übergab. Den Tambourstab übernahm Werner Hoffmann.

Zusammen mit den anderen kulturtragenden Vereinen Reilingens wurde im Jahre 1980 eine Schallplatte aufgenommen.

Waren die öffentlichen Auftritte in den ersten 20 Jahren seit der Neugründung auf Jubiläen, Einweihungen usw. beschränkt, so trat auch hier in den 70er Jahren eine wesentliche Änderung ein. Der jährliche Terminkalender ist seitdem geprägt von Kontakten mit umliegenden Feuerwehren und Spielmannszügen.

Traditionell ist auch bereits der Osterausmarsch des Spielmannszuges, dessen Organisation seit einigen Jahren durch die Feuerwehr erfolgt. Hier hat man eine alte Tradition wieder aufgenommen, denn bereits zu Beginn des 20sten Jahrhunderts wurden von der Feuerwehr Osterausflüge organisiert. So fuhren z.B.im Jahre 1909 die Wehrmänner um 6.00 Uhr mit Fuhrwerk nach Oberhausen.

Der in zweijährigem Rhythmus durchgeführte mehrtägige Ausflug ist ebenfalls fester Bestandteil des Terminkalenders.

Der Reilinger Spielmannszug war auch der erste Ortsverein, der Kontakte mit der französischen Partnergemeinde Jargeau pflegte. Bereits vor Unterzeichnung der Partnerschaftsurkunde wirkten die Spielleute im Jahre 1989 beim international hochkarätig besetzten Faschingsumzug in Jargeau mit. Seit dieser Zeit pflegen die Aktiven mit ihren Familien nicht nur während offizieller Veranstaltungen engen Kontakt mit ihren Gastfamilien. Die Partnerschaft wird auch aufgrund privater Initiativen vertieft.

Eine gravierende Änderung trat Mitte der 80ger Jahre ein, als durch Beschluss der Generalversammlung die Aufnahme von weiblichen Mitgliedern ermöglicht wurde.

Derzeit sind zwar lediglich sieben weibliche Spielleute aktiv, doch konnte man in der Vergangenheit auch bereits zweistellige zahlen verbuchen.

Die Geschäftsführung von Herwart Dorn übernahm nach 12 Jahren im Jahre 1990 Heinz Großhans. Tambourmajor Werner Hoffmann übergab die Stabführung 1994 an Mathias Schwärzl. Seit Januar 1999 hält Claus Wendlik den Tambourstab in seinen Händen.

Der Spielmannszug der Freiwilligen Feuerwehr Reilingen mit derzeit etwa 40 aktiven Mitgliedern lebt in gesunden Strukturen.
Das zahlenmäßige Verhältnis zwischen Jund und Alt läßt den langfristigen Fortbestand des Vereins erwarten.