„Am Rettungswesen dürfen und wollen wir nicht sparen“


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Bei strahlendem Sonnenschein und milden Temperaturen wurde am Samstag das sanierte, umgebaute und erweiterte Feuerwehrgerätehaus und die Aufstockung der angegliederten DRK-Räumlichkeiten eingeweiht. In Anwesenheit der Reilinger Feuerwehr, Vertretern der Wehren des Unterkreises Schwetzingen, der Feuerwehr Walldorf mit Gästen aus dem amerikanischen Freeport sowie einer zehnköpfigen Delegation aus der französischen Partnergemeinde Jargeau nebst einer großen Zahl an Ehrengästen wurde der schmucke Gebäudekomplex in einer Feierstunde seiner Bestimmung übergeben.

Nach einer musikalischen Begrüßung durch den Spielmannszug blickte Bürgermeister Walter Klein auf 108 Jahre Reilinger Feuerwehr und 72 Jahre Deutsches Rotes Kreuz zurück. Wie so oft, fing man auch hier klein an: Die mobile Feuerspritze wurde zunächst zusammen mit dem Leichenwagen in der rückwärtigen Toreinfahrt des Rathauses untergestellt. Doch schon ein Jahr nach der Gründung der Feuerwehr habe man an der Ecke Kirchenstraße/Alte Friedhofstraße ein Spritzenhaus errichtet, das bis 1978 seine Dienste tat, dann habe das Feuerwehrgerätehaus seinen heutigen Standort in der Alten Friedhofstraße erhalten.

Im Laufe der Zeit hat sich laut Klein das Aufgabenspektrum der Feuerwehr jedoch stark erweitert. Aus der Bürgerinitiative zur Brandbekämpfung früherer Zeiten sei längst eine universell einsetzbare Truppe geworden, die die unterschiedlichsten Gefahrensituationen zu meistern habe. Von der Feuerlöschung und vorbeugenden Brandbekämpfung bis hin zu Rettungs- und Bergungsdiensten bei Unfällen und Naturkatastrophen sowie Umweltschutzeinsätzen. „Verletzte bergen oder Gefahrgüter umpumpen ist so alltäglich geworden wie das Löschen von Bränden“, stellte Klein heraus. All diese Aufgaben erforderten natürlich auch eine Menge Gerätschaften, Fahrzeuge, Handwerkszeug und Ausrüstung, weshalb das bisherige Gerätehaus den Anforderungen einer modernen, zukunftsorientierten Wehr nicht mehr Stand gehalten habe.

Finanzieller Kraftaufwand

„Die Vorplanungen für die umfassende Sanierung und Erweiterung begannen bereits im Juni 2001“, berichtete der Bürgermeister von den Anfängen des Projekts, dessen Verlauf sich auch anhand einer Powerpoint-Präsention verfolgen ließ. Nach gründlicher Überarbeitung durch das Reilinger Architekturbüro Bender erfolgte am 23. April 2004 der erste Spatenstich. Insgesamt wurden 1,912 Millionen Euro an Finanzmitteln im Gemeindehaushalt bereitgestellt, an Fördermitteln erhielt Reilingen 360 000 Euro aus dem Ausgleichstock sowie rund 168 000 Euro aus der Fachförderung des Landes. „Zwar stellte das Projekt in Anbetracht der Kassenlage einen immensen Kraftaufwand dar, an unserem Rettungswesen jedoch dürfen und wollen wir nicht sparen“, versicherte Klein.

„Die Schlacht ist geschlagen“, freute sich auch Architekt Ralf Bender, der die enorme Kraftanstrengung aller Beteiligten an der Fertigstellung des Bauvorhabens herausstellte. 22 Bausitzungen im Rathaus, 35 Bausitzungen in großer Runde an der Baustelle und eine tägliche Präsenz von Bauleiter Bertsch seien notwendig gewesen, um die 38 ausführenden Firmen, die insgesamt 20 000 Stunden arbeiteten, zu koordinieren und zu überwachen. 2000 Kubikmeter Erde seien bewegt, 1400 Quadratmeter Wände, 650 Quadratmeter Decken und 960 Quadratmeter Dachfläche errichtet worden, was zu einem umgebauten Gebäudevolumen von insgesamt 7800 Kubikmeter geführt habe. Vor dem Umbau habe die Nutzfläche des Feuerwehrgerätehauses 860 Quadratmeter betragen, nach Umbau und Sanierung habe sich diese Zahl auf 1688 Quadratmeter erhöht. Kein Wunder, dass Bürgermeister Klein bei der Schlüsselübergabe strahlte.

Mit kirchlichem Segen

Im Anschluss segneten die beiden Pfarrer Wilhelm Nauber und Jürgen Grabetz das Gebäude. Es wurde ein Segensgebet für alle diejenigen Menschen gesprochen, die hier zum Wohle der Gemeinde agieren. Man bat Gott, die Feuerwehrleute zu beschützen, die „zerstörerische Gewalt des Feuers zu brechen“ und vor Schaden zu bewahren.

Kreisbrandmeister Peter Michels überbrachte Grüße von Landrat Dr. Jürgen Schütz und lobte, dass die Gemeinde bei dieser Baumaßnahme „Augenmaß und Blick für die Zukunft“ bewiesen habe. Michels betonte, dass die Anforderungen an die Feuerwehr stetig stiegen. Aus- und Weiterbildung werde immer wichtiger, zudem habe die Bevölkerung ein „gestiegenes Schutzbedürfnis“, erwarte von der Feuerwehr beispielsweise auch die Rettung von Haustieren oder das Öffnen eines verschlossenen Pkws. Den neuen Gebäudekomplex bezeichnete Michels als „Dreh- und Angelpunkt in Reilingen“, „nicht nur Mittel zum Einsatz, sondern auch Mittelpunkt im gemeinschaftlichen Leben“. Ein Schmuckstück stellte der Baukomplex auch in den Augen des Unterkreisführers des Rhein-Neckar-Kreises Peter Bierlein dar, der seine Glückwünsche übermittelte.

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Einladung nach Jargeau

Francois Denis, Kommandant der freiwilligen Feuerwehr Jargeau, bewunderte das Bauwerk und kündigte an, dass am Feuerwehrhaus in Jargeau ebenfalls bauliche Veränderungen geplant seien und er die Reilinger schon jetzt einlade, dies im Juni 2006 in Jargeau mitzufeiern. Denis überreichte Bürgermeister Klein eine Medaille des Feuerwehrkreises Loiret, von der Reilinger Feuerwehr erhielt er im Gegenzug ein Helm-Präsent.

Dank, vor allem an seine Kameraden, sprach Kommandant Florian Petzold aus. 16 Monate habe man unter den besonderen Umständen des Umbaus den ehrenamtlichen Dienst für die Bevölkerung zu 100 Prozent weitergeführt und sei dennoch nicht müde geworden zu helfen, wenn es etwas zu tun gab, auch unter den widrigsten Umständen.

Was das im Einzelfall hieß, demonstrierte Petzold anhand der Gesamtübung vom 1. März, bei der in der Fahrzeughalle aufgrund der schleppenden Rohbauarbeiten die Leitungen der alten Heizung eingefroren waren und man sich bei vier Grad unter Null umziehen und die Übung durchführen musste. „Dieser Abend ist mir besonders im Gedächtnis geblieben, da es mich beeindruckte, wie unsere Leute mit dieser Situation umgegangen sind“, erklärte Petzold. Dankesworte waren auch das Anliegen von DRK-Vorstand Herbert Nehiba. Dank an die Gemeinde und die Feuerwehr für die gute Zusammenarbeit sowie an die aktiven DRKler, die vor allem in den letzten Tagen viel geleistet hätten. Nach dem offiziellen Festakt spielte nochmals der Spielmannszug auf, dann lud die Gemeinde die Anwesenden zu Essen und Trinken ein. Wer wollte, durfte später auch an Besichtigungen des neuen Gebäudekomplexes teilnehmen.

Elke Seiler, Schwetzinger Zeitung, 17.10.2005

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