Feuerwehr und Spielmannszug trauern um Helmut Stoll


Wenn Helmut Stoll an Freitagabend mal nicht zur Übungsstunde des Spielmannszuges kam, ging sofort die Frage durch den Raum: „Wo ist der Helle heute?“ Denn es kam nur sehr selten vor, dass er mal nicht anwesend war, und wenn hatte es immer einen triftigen, meist familiären, Grund.

Als er Ende März nicht zur Übungsstunde kam fiel sein leerer Stuhl natürlich sofort auf, doch der Grund seiner Abwesenheit versetzte an diesem Abend alle in einen tiefen Schock. Er ist unheilbar krank und sein Leben wird in wenigen Wochen zu Ende gehen. Nur eine Woche zuvor saß er noch mit seinen Kameraden bei der Jahreshauptversammlung der Feuerwehr zusammen, es konnte keiner glauben. Kaum fünf Wochen nach dieser Nachricht ging sein Leben zu Ende,  drei Tage nach seinem 79. Geburtstag.

1969 trat der gebürtige St.- Leoner in den Reilinger Spielmannszug ein, der,genau wie die Feuerwehr im Laufe seiner 45 jährigen Mitgliedschaft, zu einer zweiten Familie für ihn wurde. Seine Frau Trudel hatte ihn in seinen Aktivitäten stets unterstützt und auch sein Sohn Peter fand schon in jungen Jahren den Weg zur Feuerwehr.

Als aktiver Pfeifer hatte „Helle“, wie ihn alle nannten, kaum eine Übungsstunde oder einen Auftritt verpasst, und dies bis kurz vor seinem Tod. Sogar bei den Fastnachtsumzügen war er bis vor einigen Jahren immer dabei, und das mit großem Spaß. Auch sein „spitzbübiges Lachen“ und seine Fröhlichkeit hatte er immer mit dabei, besonders bei der trauten Runde nach den Übungsstunden, für die er bereits die Nominierung für den „Übersitzer“ erhielt.

Wichtig war Helmut Stoll auch immer die Förderung und die gerechte Behandlung der jungen Menschen. So engagierte er sich von 1976 bis 1988 als  Leiter der Jugendfeuerwehr. In dieser Zeit wurden zum ersten Mal die Leistungsspange und das Leistungsabzeichen in Bronze errungen. Anfang der 80er Jahre war er maßgeblich für die Organisation und Durchführung des Kreiszeltlagers in Reilingen verantwortlich, eine der größten Veranstaltungen der Jugendfeuerwehr die je in Reilingen stattgefunden haben. Auch vom musizieren des Jugendspielmannzuges war er begeistert, und kam oft etwas früher zur Übungsstunde um den neuen Liedern zu lauschen.

Beim Feuerwehrjubiläum im Jahr 1997 und beim Jubiläum des Spielmannszuges 2000 hatte er die Bühnenbilder entworfen und gemalt. Es sind Kunstwerke, die neben vielen weiteren, Ehrenplätze im Reilinger Feuerwehrhaus erhalten haben. Auch die Außenfront des Gebäudes wurde durch sein künstlerisches Talent, mit dem Bild des ersten Reilinger Feuerwehrautos, verschönert. Im Auftrag der Gemeinde hat er sich ebenfalls mit vielen Kunstwerken verewigt, genauso wie an vielen Reilinger Hauswänden. Im Jahr 2010 wurde der Hauptfeuerwehrmann für 40 Jahre Feuerwehrmitgliedschaft geehrt und gleichzeitig zum Ehrenmitglied ernannt.

Seine Kameradschaftlichkeit, Zuverlässigkeit und nicht zuletzt sein Engagement machten ihn zu einem vielgeschätzten Menschen und Feuerwehrkameraden. Bei seiner Trauerfeier erwies ihm die Feuerwehr in einem Spalier, und der Spielmannzug in musikalischer Weise, die letzte Ehre. „Wenn ich mal sterbe spielt ihr mir den „Kerzengrad“ “, das hatte Helmut Stoll immer gesagt. Und diesen Wunsch bekam er erfüllt. Auf dem Weg zu seiner letzten Ruhestätte begleitete ihn der Spielmannszug mit seinem Lieblingsmarsch, dem „Fliegermarsch“. Ruhe in Frieden „Helle“.