Jeder Alarm muss ernst genommen werden


Ein Aufgebot von Feuerwehr- und Rettungsfahrzeugen sorgte in Reilingen für Aufregung. Zeitgleich mit der Freiwilligen Feuerwehr Reilingen kam der Rettungsdienst in der Görlitzer Straße an, kurz danach die Hockenheimer Feuerwehr mit drei Fahrzeugen und ein Notarztwagen.

Nach wenigen Minuten erhielten die Einsatzkräfte dann die Meldung, dass es sich um einen Fehlalarm handele, und traten die Rückfahrt an. Fragend schauten die Passanten den roten Autos hinterher, die den Ort für kurze Zeit in Aufruhr gebracht hatteen. Reilingens Kommandant Mike Supper klärt auf: „Die Brandmeldeanlage im Haus Margarete hatte ausgelöst, und wenn dies geschieht, greift ein Rad in das andere, damit im Ernstfall keine wertvolle Zeit verloren wird. Bei der Leitstelle, in der der Alarm der Anlage eingeht, ist hinterlegt, dass bei diesem Objekt sofort die Feuerwehr Hockenheim mit alarmiert wird. Das Gebäude muss schnellstmöglich geräumt und alle Anwohner in Sicherheit gebracht werden. Dafür brauchen wir viel Personal und die Drehleiter, die in Hockenheim steht. Natürlich auch ärztliche Betreuung.“ Die Feuerwehr müsse sich bei jedem Alarm einer Brandmeldeanlage vor Ort davon überzeugen, dass es sich tatsächlich um einen Fehlalarm handele, bevor sie Entwarnung gibt. Somit lief am Freitag alles richtig.

Anlagen sparen viel Zeit

Wie funktioniert eine solche Brandmeldeanlage und warum wird sie installiert? In Gebäuden mit großen Sachwerten oder in denen sich viele Menschen, speziell Kranke oder Kinder, aufhalten, kann eine solche Anlage zum Lebensretter werden. In den Räumen sind Rauchmelder eingebaut, die bei Rauch oder Feuer auslösen. Der Alarm wird sofort an die Leitstelle gemeldet und diese alarmiert die Feuerwehr und den Rettungsdienst. „Somit wird viel Zeit gespart“, erklärt Kommandant Supper. „Es muss nicht erst jemand auf das Piepen des Melders aufmerksam werden und einen Notruf absetzten. Dies geschieht dann alles von selbst.“

In Reilingen sind insgesamt sechs solcher Anlagen installiert und diese haben die Feuerwehr schon oft alarmiert. Obwohl es immer wieder einen Fehlalarm gibt, wurden häufig kleine Entstehungsfeuer bemerkt, gemeldet und somit größere Schäden verhindert. „Wir müssen jeden dieser Alarme ernst nehmen und immer auf einen Ernstfall vorbereitet sein“, sagt Supper und erinnert sich an den Großeinsatz in dem Gebäude der ehemaligen Firma Eisel. „Hier gab es auch öfter Fehlalarme – am Tag, in der Nacht oder an Wochenenden. 2008 war es dann ernst und es brannte zwei Tage lang.“

Auch in Gebäuden der Nachbargemeinden sind Brandmeldeanlagen eingebaut. In Neulußheim sind es drei, in Altlußheim zwei, wobei hier im Sommer eine weitere installiert wird. Die Rennstadt Hockenheim ist Spitzenreiter mit insgesamt 44 Anlagen. „In der Regel wird die Feuerwehr Hockenheim zirka 60 Mal im Jahr durch die Brandmeldeanlagen alarmiert“, berichtet der Kommandant der Hockenheimer Wehr, Franz Sommer.

Aufgrund des wachsenden Industriegebietes „Talhaus“ wird sich die Zahl in den kommenden Jahren gewiss noch erhöhen, da in den meisten Betrieben der Einbau einer solchen Anlage vorgeschrieben ist. „Nur bei einer überschaubaren Zahl dieser Einsätze muss die Feuerwehr wirklich tätig werden, doch gerade hier wird und wurde durch das Auslösen der Anlage Schlimmeres verhindert“.

Immer den Ernstfall vor Augen

Ein Blinken an den modernen Anlagen zeigt dem Einsatzleiter, wo der Alarm ausgelöst wurde. Um den Weg schnell zu finden, liegen Karten mit einer Art Wegbeschreibung zum Einsatzort daneben. „Sind bei der Ankunft keine deutlichen Anzeichen für ein Feuer zu sehen, suchen wir den Raum oder den Platz ab, an dem der Alarm ausgelöst wurde. Erst wenn wir sicher sind, dass keine Gefahr besteht, wird an dem Bedienfeld der Feuerwehr die Anlage wieder in Bereitschaft gestellt und die Rückfahrt angetreten. Und wenn es wirklich brennt, sind wir mit den richtigen Fahrzeugen, dem benötigten Löschmittel und Personal vor Ort – ohne Zeitverlust“, erklären Mike Supper und Franz Sommer.